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Sealand 1

Der Traum vom eigenen Königreich -

Fürstentum Sealand (1)


Das 20. Jahrhundert bot keine Möglichkeiten mehr, den Traum von einem eigenen König­reich ernsthaft zu realisieren. Die ganze Welt war zwischen den Mächten aufgeteilt, selbst auf der kleinsten Insel gab es wenigstens eine kleine Besatzung, um sie als Kohlenstation für die Dampfschifffahrt oder als Sta­tion für die neu aufgekommenen Seekabel, die jetzt die Welt telegrafisch miteinander verband, zu sichern. Selbst die unbewohn­bare Antarktis wurde zwischen den angren­zenden Staaten und Kolonien aufgeteilt, oft mit überlappenden Gebietsansprüchen. Für die Verwirklichung von Träumen blieb da kein Platz.

Zwar versuchten in den Balkankriegen und in den Weltkriegen einige, sich als Herrscher aufzuschwingen. So spielte 1912 der deut­sche Abenteurer Otto Witte als angeblicher türkischer Prinz Halim Eddin ein paar Tage lang König von Albanien, bevor er mit dem sicher bescheidenen Staatsschatz versch­wand (der deutsche Prinz Wilhelm von Wied war dann 1914 wirklich für ein paar Monate Fürst von Albanien). Zum Ende des ersten Weltkriegs machten sich deutsche adelige Hoffnung auf die Königskronen der neuen Staaten Finnland und Litauen, und es gab sogar entsprechende Beschlüsse der dor­tigen Staatsräte. Aber nachdem der Welt­krieg für den deutschen Adel ungünstig endete, zerplatzen diese Hoffnungen, die Staatsräte nahmen die Beschlüsse zurück und Finnland und Litauen wurden Repu­bliken. Und im zweiten Weltkrieg erhielt der italienische Herzog Aimone von Spoleto den kroatischen Königstitel. Aimone von Spoleto zog zunächst Erkundungen über die Lage in seinem designierten Königreich ein. Nach­dem er in Erfahrung gebracht hatte, dass dort niemand ein besonderes Interesse an seinem Amtsantritt hatte, sondern vielmehr Italien und Italiener generell unter der kroa­tischen Bevölkerung sehr unpopulär waren, verzichtete er auf einen Amtsantritt. Er betrat niemals kroatischen Boden. Faktisch war der faschistische Ustascha-Führer Ante Pavelic Staatschef des Staates Kroatien. Philatelis­tisch haben diese Thronhoffnungen des er­sten und zweiten Weltkriegs keine Spuren hinterlassen.

 Erst 1967 versuchte wieder jemand, seinen Traum vom eigenen Königreich zu verwirkli­chen. Da hierfür weder einsame Inseln noch entlegene Urwald- oder Bergregionen zur Verfügung standen, erwählte der Brite Pad­dy Roy Bates, früher Major der britischen Ar­mee, dann Unternehmer und Betreiber eines Piratensenders, eine künstliche Insel zu sei­nem künftigen Staatsgebiet, die frühere Fla­kinsel Roughs Tower in der Nordsee vor der Themsemündung. Diese zählt zu den Maun­sell-Seefestungen, die das britische Militär im Zweiten Weltkrieg zur Abwehr von See- und Luftangriffen in der Mündung der Them­se errichtete. Sie wurde im Spätjahr 1941 im. Trockendock auf einem schwimmfähigen Ponton erbaut, ins Meer hinausgeschleppt und ihr Sockel plangemäß am 11. Februar 1942 auf die Sandbank Rough Sands ver­senkt. Als His Majesty Fort Roughs stand sie anschließend im Dienst der Royal Navy. 

Nach Kriegsende verlor diese Art von Fe­stungen jedoch ihre Bedeutung, so dass sie in den 1950er Jahren eine nach der anderen aufgegeben wurden. 1956 zog die Besat­zung von Roughs Tower vollständig ab und überließ die Station sich selbst.

Die alte Seefestung ist als Staatsgebiet für ein souveränes Fürstentum eigentlich nicht besonders geeignet. Im Inneren der beiden hohlen Betonsäulen, auf denen die Stahlplattform ruht, befinden sich je sieben Stockwerke. Aufgeteilt in je acht Räume pro Säule, von unten her zunächst ein ehema­liges Munitionsdepot, darüber eine Kapelle, Lager- und Unterkunftsräume. Im jeweils obersten Stockwerk sind die Generatorenräume. Auf der Plattform befinden sich Ba­dezimmer, Küche, weitere Wohnräume und ganz oben ein Hubschrauberlandeplatz. Ein allzu großes Staatsvolk findet hier kaum Platz. Aber eigentlich hatte Roy Bates 1967 auch nicht vor, sein neues Fürstentum zu bevölkern.

Eigentlich sollte dort nur ein Piratensender Platz finden. Rund um Großbritannien gab es mehrere alte Seefestungen, und einige waren bereits für Piratensender benutzt worden.

Heute kann man sich angesichts der zahl­reichen Privatsender kaum noch vorstellen, dass damals mit Piratensendern richtig Geld verdient werden konnte. Aber 1967 gab es in Europa nur staatliche Radio- und Fern­sehsender. In Großbritannien war dies die BBC. Die BBC hatte, wie auch die anderen Staatssender, natürlich einen Bildungsauf­trag, der für die neue, oft kritisch betrachtete Popmusik wenig Platz ließ. Vor allem junge Leute wollten die neue Popmusik aber hö­ren. Diesem Wunsch kamen die Piratensender nach. Sie sendeten, was die jungen Leute hören wollten, und hatten bald viel mehr Hörer als die Staatssender Da sie da­mit gegen die Rundfunkgesetze verstießen, mussten sie von außerhalb der Staatsge­biete senden, vor allem von See aus. Beson­ders bekannt waren Radio Veronica vor der niederländischen Küste und der englische Sender Radio Carolie. Finanziert wurden die Piratensender durch Werbeeinnahmen, die reichlich flossen, da sie das Massenpubli­kum erreichten.

Während sonst oft von Schiffen gesendet wurde, waren in Großbritannien die alten, verlassenen Seefestungen beliebte Stand­orte. Sie waren so beliebt, das sie richtig umkämpft waren. Auch Roy Bates hatte 1965 auf der Festung Knock John Tower seinen Piratensender Radio Essex erst er­richten können, nachdem er die Betreiber des Konkurrenzsenders von dort vertrieben hatte. Aber schon Ende 1966 wurde sein Sender dort abgeschaltet und er wegen Verstoß gegen das britische Rundfunkge­setz angeklagt. Deshalb suchte er eine noch entlegenere Seefestung weit außerhalb der Drei-Meilen-Zone — und fand Roughs Tower. Am 2. September 1967 besetzte er mit eini­gen Helfern die künstliche Insel und rief dort das unabhängige Fürstentum Sealand aus. Als Herrscher proklamierte er sich selbst und seine Frau Jaan, eine ehemalige Miss England zu Fürst Roy und Fürstin Joan von Sealand.

Schon bald musste das neue Fürstentum seine Grenzen zum ersten Mal verteidigen. Der irische Musikmanager O‘Rahilly wollte die Seefestung für seinen Piratensender Ca­roline und schickte seine Leute los, sie zu be­setzten. Die Sealänder wehrten die Angrei­fen mit Benzinbomben ab. Die Betreiber der Piratensender scheinen tatsächlich Piraten gewesen zu sein. Aber ihre Zeit war schon vorbei, und auf Sealand wurde kein Sender mehr eingerichtet. Denn in Großbritannien war bereits am 14. August 1967 der Marine Broadcasting Offences Act in Kraft getreten. Damit stand die Ausstrahlung unlizenzierter Rundfunkübertragungen von Schiffen, Flug­zeugen oder Marinebasen auch von außer­halb der Hoheitsgewässer unter Strafe. Die meisten Piratensender stellten daraufhin ihren Sendebetrieb ein. Nahezu gleichzeitig startete die staatliche BBC mit einem eige­nen Popkanal und erweiterte in den frühen 70er Jahren durch Gründung zahlreicher Lo­kalstationen ganz erheblich ihr Programm. Damit verlor Roy Bates das Interesse und verzichtete auf die Errichtung des geplanten Piratensenders.

Aufgeben wollte er sein Fürstentum in der Nordsee trotzdem nicht. Im Gegenteil, bei einem Versuch der Royal Navy, die künst­liche Insel wieder in Besitz zu nehmen, vertrieb er sie sogar mit mehreren Gewehrschüssen. Die Landungsboote drehten zwar ab, brachten den Vorfall aber vor ein englisches Gericht. Das örtliche Gericht in Chelmsford, Esses, erklärte sich jedoch am 28. November für nicht zuständig, da sich der Vorfall außerhalb des britischen Territo­riums in internationalen Gewässern ereig­net habe. Roy Bates interpretierte diesen Gerichtsbeschluss natürlich so, dass damit die Unabhängigkeit seines Fürstentums an­erkannt sei. Grund genug für neue Träume, jetzt plante er auf Sealand ein Steuerpara­dies und Billigflaggen-Land. Zwar bot die künstliche Insel kaum Platz für ein Staatsvolk, aber für viele Briefkastenfirmen war in den Betonsäulen allemal Platz.

Damit die Briefkastenfirmen aber auch Briefe erhalten konnten, benötigte das Für­stentum einen eigenen Postdienst und na­türlich eigene Briefmarken. Eigene Briefmar­ken drucken zu lassen, war natürlich kein Problem. Im Oktober 1969 war in der Mi­chel-Rundschau unter der Überschrift ,,Der Insel-Schwindel geht weiter“ folgendes zu lesen: ,, Die postalische Selbständigkeit der britischen Kanalinseln Jersey und Guernsey am 1. Oktober Oktober ist offensichtlich der willkom­mene Anlass für weitere ,,Inselherren“, sich in akrobatischer Gelenkigkeit den neuen, gewinnträchtigen Situationen schnellstens anzuschließen. Mit ,,viel Amtlichkeit“ verse­hene Prospekte offerieren Markenausgaben von Inseln, deren Namen kaum in den Atlan­ten zu finden sind.“ Die Michel-Rundschau bezieht sich dabei auf die zahlreichen pri­vaten Lokalmarken für kleine britische Inseln wie Lundy und Herrn, deren Herausgeber in den sechziger Jahren u.a. an der Beliebtheit der Europa-Marken zu verdienen suchten.

Weiter heißt es in dem Artikel zum ,,1. Fall: Fürstentum Sealand — Felsenspitze im Ka­nal, östlich von Harwick. Bewohner: die Fa­milie Bates; der ,,Fürst“? = wahrscheinlich Herr Rates! Ausgabe von 7 ,,Briefmarken“, verschiedene Seehelden wiedergebend. Preis pro Satz: 4,- DM plus Porto. Und doch... nach neuesten Meldungen liegt die Anerkennung des ,,Staates und des Postwe­sens“ im Bereich des Möglichen! Wir werden weiter darüber berichten“. Die 7 Werte zur Einrichtung eines Postdienstes auf Sea­land zeigen die Seefahrer Vasco da Gama (2 Cent), Christoph Kolumbus (3 Cent), Sir Walter Raleigh (5 Cent)‘ Sir Francis Drake (6 Cent), James 000k (14 Cent)‘ Fernando Magellan (20 Cent> und Sir Martin Frobis­her (50 Cent). Sie wurden im nummerierten kleinbogen in der Druckerei Hayes in Brüs­sel gedruckt.

Wie man sieht, wurden die Marken von der philatelistischen Fachpresse mit großem Misstrauen betrachtet. Kleine Zettelchen be­drucken und zähnen lassen kann schließlich jeder, aber damit daraus richtige Briefmar­ken werden, muss ein funktionierender Postdienst her Und daran arbeitete der Fürst von Sealand offensichtlich mit Hochdruck, wie die nächste Meldung in der Michel-Rund­schau Januar 1970 unter der Überschrift ,,Sealand - doch kein Schwindel“ zeigt: ,,Im Heft 1 der Michel-Rundschau haben wir un­ter der Überschrift ,,Der Insel-Schwindel geht weiter“ im Fall 1 über das Fürstentum Sea­land geschrieben. In der Zwischenzeit konn­ten wir die notwendigen Aufklärungen über Sealand erhalten, denen zufolge wir nun wohl gezwungen sein werden, die Marken für diese Insel zu katalogisieren. Es steht fest, dass zwischen Sealand und Belgien ein ordnungsgemäßer Austausch der Post­sendungen stattfindet. Die Postsendungen aus Sealand werden ohne irgendwelche Zusatzfrankaturen befördert und erreichen ohne Strafporto die ausländischen Empfän­ger. Auch nach Sealand läuft der Postbe­trieb reibungslos via Belgien. Selbst bei Ein­schreibebriefen mit Rückschein findet dieser wieder richtig seinen vorgeschriebenen Weg. Wir werden uns nun um eine Vorlage der kompletten Sealand-Marken bemühen und in einem der nächsten Hefte der Michel-Rundschau eine Katalogisierung durchfüh­ren“. Mir liegt ein Ersttags- und Erstflugbrief mit Stempel von Sealand vom 30. Septem­ber 1969, Erstflugstempel vom gleichen Tag und Ankunftsstempel von Brüssel vom 1. Oktober 1969 vor.

Nach dieser Meldung war es dem Fürsten Roy Bates recht schnell gelungen, einen funktionierenden Postdienst zu organisieren und Anschluss an das internationale Postnetz zu erhalten. Aber nicht alle Philatelisten waren mit der angekündigten Katalogisie­rung einverstanden, wie im März-Heft der Michel-Rundschau zu lesen ist: ,,Verschie­dene Seiten scheinen uns böse zu sein, weil wir diese Ausgabe katalogisieren wollen oder besser gesagt müssen. Alle Feststel­lungen zeigen aber eindeutig, dass die bis­her staatenlose Insel, vom jetzigen ,,Fürsten“ in unbestreitbaren Besitz genommen, zum ,,Fürstentum“ ausgerufen wurde. Somit kann der ,,Fürst“ auch rechtmäßig die Posthoheit ausüben. Die ordnungsgemäße Postzustel­lung ist ebenfalls gegeben. Briefe kommen nicht nur von Sealand (ohne Zusatzfranka­

tur!, sondern werden auch nach dort beför­dert. Sollte jemand Beweise haben, die dem bisher von uns Gesagten widersprechen, so erbitten wir die Einsendung. Wir werden die geplante Katalogisierung vorsorglich noch etwas zurückstellen.“

Aber man wartete bei Michel nicht ein­fach ab, ob wohl etwas vorgelegt wird. In Zusammenarbeit mit dem Verlag Austria­Philatelist in Wien wurde Leopold Sander ausgesandt, um sich vor Ort auf Sealand umzusehen. Sein umfangreicher Bericht war in der Michel-Rundschau April 1970 zu lesen. Hier einige Auszüge. ,,Die Auskünfte, die man hier in Wien über Sealand erhielt, waren keineswegs ermutigend. Ehemaliger Flakturm im Ärmelkanal in der Nähe von Harwich, Piratensender, keine Anreisemög­lichkeit, also eher ein Auftrag für ,,007“. Deshalb war das erste Reiseziel Brüssel, wo sich das lnformationsbüro von Sealand befinden sollte.“

In Brüssel wurde Herr Sander tatsächlich fün­dig: ,Das lnformationsbüro von Sealand be­findet sich in der Avenue des Arts in Brüssel und ist gleichzeitig Domizil des ,,Postmasters von Sealand“. Hier erfuhr ich auch, dass im Moment keine direkte Anreise von Brüssel nach Sealand möglich wäre, sondern nur von Southend on Sea in England mit Boot oder Hubschrauber“ Dort wurde er von Herrn Bates erwartet, den er als 52-jährigen sport­lichen Typ beschreibt. Zu seinen Plänen er­klärte Herr Bates: ,Ich möchte aus Sealand das machen, was heute Liechtenstein oder Monako ist“. Auch kündigte er eine Relaissta­tion in Zusammenarbeit mit Radio Luxemburg an, sozusagen als legale Variante der alten Piratensender-Pläne. Firmen, die natürlich nur mit Postfächern vertreten wären, hätten wesentliche steuerliche Vorteile zu erwarten. Und die Firmeninhaber könnten dann für nur 1000 Dollar Sealand-Pässe erwerben, die an­geblich in Spanien und Frankreich bei der Ein­reise bereits anerkannt würden. Auch sollten Handelsschiffe unter der Flagge von Sealand fahren können, was - wie bei Panama - eben­falls eine gute Einnahmequelle wäre.“

Am 29. Februar 1970 im Fürstentum Sea­land angekommen, beschreibt Herr Sanders diesen so: ,,Sealand ist eine auf zwei im Meer versenkten Stahlfundamenten aufge­baute künstliche Insel. Über diesen Stahlfun­damenten spannt sich eine Plattform, die in der Mitte bequem einen Hubschrauber auf­nehmen kann. Auf der einen Seite der Plattform sieht man noch als Erinnerung an den letzten Weltkrieg einen Kanonenturm. Unter der Plattform befinden sich die Wohnräume der Familie Bates, drei Zimmer mittleren Ausmaßes, gemessen an den Verhältnis­sen bequem eingerichtet. Jedes der beiden Stahlfundamente hat neun Stockwerke. In den oberen Etagen befinden sich die tech­nischen Einrichtungen wie Generatoren für Stromerzeugung usw. In den unteren Eta­gen ist Platz für die geplante Relaisstation, bzw. die Einrichtung von weiteren Schlaf-, Büro- oder Verkaufsräumen.

 

Auch das Postamt von Sealand ist in einer dieser Etagen untergebracht. Ich konnte bei diesem Postamt Briefmarken kaufen, man nahm die als eingeschriebene Sendungen bestimmten Poststücke entgegen und be­stätigte die Übernahme ordnungsgemäß. Der Postmaster von Sealand erklärte, dass es aber wahrscheinlich ca. 3 Wochen dau­ern würde, ehe die Empfänger diese Post erreicht, da sie erst wieder dem nächsten Hubschrauber nach Brüssel mitgegeben wird. (Anmerkung der Redaktion: der an uns gesandte E-Brief war bereits nach 9 Tagen in unseren Händen.)“. Zur künftigen Ausga­benpolitik auf dem Briefmarkensektor kündi­gte Herr Bates Zurückhaltung an: ,,Wenn wir das große Geschäft hätten machen wollen, wäre doch eine Serie zum Nennwert von 1 Dollar innerhalb von 6 Monaten viel zu we­nig!“ Künftig solle alle 3 Monate eine Serie verausgabt werden, gerade so viel, um bei den Sammlern nicht in Vergessenheit zu ge­raten.

Zum Schluss seines Berichtes erwähnt Herr Sanders noch, dass derzeit auf Sea­land neben der Familie Bates ein 2ljähriger ostdeutscher Flüchtling wohnen würde, der ohne Gehalt beim Aufbau des Staates hel­fen wolle, und zieht folgendes Resümee:

,,Rein technisch gesehen gibt es für Sealand keine Probleme: mit genügend Geld und ge­sundem Optimismus lässt sich heute alles

verwirklichen. Man sollte jedoch niemand darüber im Unklaren lassen, dass Sealand eine künstliche Insel ist, die man auf keiner Landkarte finden kann. Man muss aber zur Kenntnis nehmen, dass Sealand versucht, ein funktionierendes Postwesen aufzubau­en, welches andere Länder, die sehr wohl auf die Wichtigkeit ihrer Markenausgaben pochen, zum Teil vermissen lassen.“ Eine eingeschriebene Luftpostkarte aus Osterrei­ch (Stempel Wien 20. Februar 1970), post­lagernd am Herrn Leopold Sander, Sealand via Harwich, GB gerichtet, war ihm offenbar vorausgeeilt und konnte dann mit Ankunftstempel Sealand 29. Februar 1970 dem Empfänger ausgehändigt werden.

Nach dieser Recherche vor Ort schien Sea­land also ein richtiger, wenn auch winziger Staat mit funktionierendem Postwesen zu sein. Wurden die Marken dieses künstlichen Fürstentums vor der englischen Küste jetzt in der Michel-Rundschau katalogisiert? Was wurde aus den hochfliegenden Plänen des Fürsten Roy? Und was ist aus dem Fürsten­tum Sealand geworden?

 

Antwort auf diese Fragen erhalten Sie in der nächsten Folge.



 Oswald Janssen





 

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