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Auktions- und Versendungskäufe

Wer trägt die Gefahr des Verlustes oder der Beschädigung bei Auktions- und Versendungskäufen?

Es kommt bisweilen vor, dass einem eine Postsendung avisiert wird, auf deren Zustellung man aber dann doch lange warten muss oder die man gar nicht erhält, weil sie verloren gegangen ist. Unlängst habe ich einen Brief erst ca. zwei Wochen nach seiner Aufgabe erhalten. Ursache der Verspätung war eine unvollständige Anschrift. Der Absender hatte vergessen, Postleitzahl und Wohnort des Empfängers anzugeben. Obwohl auf dem Brief der Absender angegeben war, ist der Brief nicht zurückgesandt worden. Vielmehr hat die Post erfreulicherweise zur angegebenen Straßenanschrift die zugehörige Postleitzahl und den Ort selbst ermittelt und ordnungsgemäß zugestellt.

Ganz anders ist es einem Sammlerfreund ergangen, der bei einer Auktionsfirma für mehrere Hundert Euro einige Münzen ersteigert hatte, die ihm per Post zugesandt werden sollten. Der Sammler hat die Sendung aber nie erhalten. Ein angeblicher Nachforschungsantrag seitens der Auktionsfirma bei der Post soll ergeben haben, dass die Sendung ordnungsgemäß zugestellt wurde. Die Auktionsfirma hat unseren Sammlerfreund nun durch ihren Rechtsanwalt aufgefordert, die ersteigerten Münzen zu bezahlen. Die Sache ist noch nicht abgeschlossen, da das Auktionshaus bisher nicht nachgewiesen hat, dass die Sendung überhaupt zur Post gegeben wurde, welche Sendungsart gewählt wurde und ob die Sendung versichert war. Auch die schriftliche Antwort der Post auf den Nachforschungsantrag hat die Firma nicht vorgelegt.

Leider hört man immer wieder davon, dass Sendungen auf dem Postweg verloren gehen. Auch in unserem Fall kann dies nicht ausgeschlossen werden. Sollten die ersteigerten Münzen per Einschreiben zum Versand aufgegeben worden sein, wird die Post Haftungsausschluss geltend machen. Nach den Regelungen des Weltpostvertrages ist die Versendung von Bargeld und wertvollen Gegenständen in gewöhnlichen und eingeschriebenen Briefsendungen nicht zulässig. Postwertzeichen und auch außer Kurs gesetzte Münzen sind als Wertgegenstände im Sinne des Weltpostvertrages anzusehen, da sie als Einzelstück oder Sammlung die Kriterien eines kleinen, jederzeit veräußerbaren Gegenstandes erfüllen. Eine Haftung der Post ist in einem solchen Fall ausgeschlossen. Das bedeutet, dass Sammler, Prüfer, Versender usw. beim Versenden von Briefmarken und Münzen diese versichern müssen, um im Falle des Verlustes auf dem Versandwege Ersatz zu erhalten.

Von besonderem Interesse ist in diesem Zusammenhang aber, ob unser Sammler gegenüber dem Auktionshaus verpflichtet ist, die ersteigerten Münzen zu bezahlen, obwohl er sie nicht erhalten hat. Wenn die Auktionsfirma die ordnungsgemäße Übergabe der Sendung zur Post nachweisen kann, ist die Beförderungsgefahr mit der Übergabe auf den Sammler übergegangen. Er hätte trotz des Verlustes der Münzen den vollen Kaufpreis zu zahlen. Denn für gebrauchte Sachen, die in einer öffentlichen Versteigerung an Verbraucher verkauft werden, gelten die Bestimmungen über den Gefahrübergang beim Versendungskauf (§ 447 BGB in Verbindung mit § 474 BGB). Das bedeutet, dass die Gefahr des Verlustes oder der Beschädigung auf dem Versandwege (Beförderungsgefahr) mit der ordnungsgemäßen Auslieferung der ersteigerten Sache – hier der Münzen –zur Beförderung durch die Post an die vom Käufer angegebene Anschrift auf unseren Sammler übergegangen wäre. Im Hinblick auf den erwähnten Haftungsausschluss beim Versand per Einschreiben ist es wichtig vorher zu klären, ob der Versender oder Versteigerer auch eine Versicherung gegen Verlust oder Beschädigung abgeschlossen hat.

Abschließend sei darauf hingewiesen, dass der Verfasser als Leiter der Fachstelle Fälschungsbekämpfung/Sammlerschutz unseres Landesverbandes (Rolf Behrens, Hohe Leuchte 23, 27283 Verden, Tel. 04231 9826100, E-Mail rrw(dot)behrens(at)gmx(dot)de) für Auskünfte und Informationen, insbesondere auch für die Herbeiführung einer gütlichen Einigung in Streitfällen bei Kauf, Tausch und Verkauf von philatelistischem Material, zur Verfügung steht.

Rolf Behrens