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Regeln für Tauschverbindungen

Regeln für Tauschverbindungen zwischen Briefmarkensammlern – nicht nur – im Hinblick auf die Beendigung durch Todesfall

Der Tod beendet das Leben des Menschen – auch das eines Philatelisten und damit auch manche Tauschverbindung zwischen Tauschpartnern. Es kommt aber häufig vor, dass in einem solchen Fall entweder der überlebende Tauschpartner oder die Erben des verstorbenen aus einem noch nicht endgültig abgewickelten Tauschgeschäft Forderungen gegeneinander haben.

Oft haben die Tauschpartner über das jeweils dem anderen Tauschpartner überlassene Material und dessen angenommenen Wert, der dem Tauschgeschäft zugrunde gelegt werden sollte, keinerlei Aufzeichnungen gefertigt. Damit kann dann auch nicht nachgewiesen werden, ob der Tausch ausgeglichen war oder ob einseitig noch eine Restforderung wegen des Wertunterschiedes des ausgetauschten Materials besteht. Genauso wenig gibt es bei solchen Tauschverbindungen schriftliche Absprachen über die grundsätzlichen Bedingungen, nach denen die Tauschgeschäfte abgewickelt werden sollen. Vielfach wissen die nahen Angehörigen bzw. Erben des verstorbenen Sammlers nicht einmal von der bestehenden Tauschverbindung, da sie vielleicht seine Sammelleidenschaft nicht beachtet haben oder er sie dabei vernachlässigt hat.

Besonders ratsam ist es daher, den Ehepartner, Lebensgefährten oder sonstigen potentiellen Erben nicht nur über bestehende Tauschverbindungen und sonstige noch nicht abgewickelte Geschäfte, wie Auktionseinlieferungen und Einlieferungen bei Rundsendediensten o. ä. zu informieren, sondern darüber hinaus auch über die dazu bestehenden Aufzeichnungen und deren Aufbewahrungsort.

Welche praktischen Vorkehrungen sollten die Tauschpartner – nicht nur für den Fall der Fälle – nun treffen?

Zunächst ist – zumindest bei einer nicht nur einmaligen, sondern auf längere Dauer angelegte Tauschverbindung – eine Vereinbarung über die Bedingungen des Tauschverkehrs in schriftlicher Form zu treffen. Darin ist festzulegen, welcher Katalog und Prozentsatz des Katalogwertes bei den künftigen Tauschgeschäften zugrunde gelegt werden soll. Wenn der Tausch wegen des unterschiedlichen Wohnsitzes nicht bei gleichzeitiger Anwesenheit der Tauschpartner abgewickelt werden kann, ist zu vereinbaren, auf welchem Wege und in welcher Art und Weise (Verpackung, Aufmachung) der Versand des Tauschmaterials zu erfolgen hat und ob gegebenenfalls eine Transportversicherung abzuschließen ist. Ebenso muss geregelt werden, wer jeweils die Portokosten trägt. Vielleicht sollte auch etwas über den Mindesterhaltungszustand des auszutauschenden Materials vereinbart werden, damit nicht zu Lasten jeweils der anderen Seite nur „Knochen“ zum Tausch angeboten werden können. Diese Bedingungen können in einer schriftlichen Vereinbarung festgelegt und von beiden Tauschpartnern unterschrieben werden. Es ist aber auch möglich, dass die Bedingungen von einem Tauschpartner in einem Brief zusammengefasst, und von dem anderen auf einer Kopie des Briefes bestätigt werden.

Sicherlich wird das Tauschmaterial bei Versand an den Tauschpartner auf Steckkarten, in Tauschheften oder Taschen untergebracht. Um dieses Material zu dokumentieren, können davon dann Fotokopien oder Scans gefertigt und mit Preisen ausgezeichnet werden. Eine Fotokopie bleibt beim Absender, eine weitere Kopie wird mit in die Tauschsendung gelegt. Natürlich kann man sich diese Prozedur ersparen, wenn das Tauschgeschäft bei gleichzeitiger Anwesenheit beider Tauschpartner abgewickelt wird und das ausgetauschte Material gleichwertig ist, so dass keine Restforderung entsteht. Für den Fall, dass doch eine Restforderung nicht sofort ausgeglichen werden kann, sollte darüber ein Beleg erstellt werden, der von dem begünstigten Sammler zwecks Anerkennung der Restforderung unterzeichnet und dem anderen Partner ausgehändigt wird. Die Restforderung kann dann beim nächsten Tauschtreffen ausgeglichen werden. Entsprechend kann bei Tauschverbindungen mit Partnern, die nicht am selben Ort wohnen, verfahren werden.

Auch wenn der beschriebene Aufwand dem Leser zu umständlich und „pingelig“ erscheinen mag, so hilft er doch, Unregelmäßigkeiten und Meinungsverschiedenheiten zwischen den Tauschpartnern vorzubeugen und im Fall der Fälle, nämlich dem Tod eines Tauschpartners, Auseinandersetzungen mit den Erben oder sogar einen Rechtsstreit zu vermeiden. Den beschriebenen Aufwand werden Tauschpartner sicherlich nicht betreiben, wenn sie sich auf Grund langjähriger Beziehung vertrauen und es sich um geringwertiges Tauschmaterial handelt, dessen Verlust schlimmstenfalls keinen nennenswerten Vermögensnachteil darstellt und leicht verschmerzt werden kann. Im übrigen sei darauf hingewiesen, dass in etwa der gleiche Aufwand wie vorstehend beschrieben auch für Einlieferungen in Rundsendedienste notwendig ist.

In rechtlicher Hinsicht ist der Tausch ein gegenseitiger Vertrag über den Umsatz eines individuellen Wertes gegen einen anderen individuellen Wert oder gegen eine Gattungssache. Wesentlich ist das Fehlen eines Kaufpreises in Geld. Zahlt derjenige, der den geringeren Gegenstand leistet, den Wertunterschied in Geld, so wird dadurch ein Tausch nicht ausgeschlossen, es sei denn, dass der Geldbetrag die Hauptleistung ist. Gemäß § 480 BGB finden auf den Tausch die Vorschriften des BGB über den Kauf entsprechende Anwendung.

Abschließend sei darauf hingewiesen, dass der Verfasser als Leiter der Fachstelle Fälschungsbekämpfung/Sammlerschutz unseres Landesverbandes (Rolf Behrens, Hohe Leuchte 23, 27283 Verden, Tel. 04231 9826100, E-Mail rrw(dot)behrens(at)gmx(dot)de) für Auskünfte und Informationen, insbesondere auch für die Herbeiführung einer gütlichen Einigung in Streitfällen bei Kauf, Tausch und Verkauf von philatelistischem Material, zur Verfügung steht.

Rolf Behrens