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Sealand 3

Der Traum vom eigenen Königreich – Fürstentum Sealand (3)

Vielleicht ist auch das ein Grund dafür, dass Sealand neuerdings zum Verkauf angeboten wird. Lassen wir zum Schluss den derzeitigen Regenten von Sealand, Prinz Michael Bates, selbst zu Wort kommen, wie er Vergangenheit und Zukunft des Fürstentums sieht. Am 10. September 2007 war in Welt-Online folgendes Interview zu lesen:
WELT ONLINE:Wie schläft es sich so in einer alten Seefestung der Royal Navy?
Michael Bates: Gut, sehr gut. Die meisten Schlafzimmer auf Sealand befinden sich unter Wasser, in den beiden Türmen des Seeforts. Nachts hört man dann das Pochen der vorbeifahrenden Schiffe, wie im Film „Das Boot“. Besonders sicher fühle ich mich auf Sealand wenn es draußen stürmt, denn dann weiß ich, dass uns keiner erreichen – und damit keiner angreifen kann.
WELT ONLINE: Die Geschichte Sealands ist von Beginn an turbulent gewesen. Wie kamen Sie eigentlich auf die Idee, eine verlassene, 550 Quadratmeter große Stahlplattform mitten im Meer zu besetzen?
Bates: Es war die Idee meines Vaters; er war schon immer ein großer Abenteurer gewesen. Roy betrieb damals den Piratensender „Radio Essex“und wollte dafür das alte Seefort nutzen. Es befand sich außerhalb der 3-Seemeilen Zone Englands und damit außerhalb der britischen Rechtsraums.
WELT ONLINE: Waren Sie und ihr Vater die ersten mit dieser Idee?
Bates:
Es waren bereits Leute von einem anderen Piratensender auf der Festung. Wir mussten das Seefort also erst einmal erobern. Unser Besetzungsmanöver war aber erfolgreich: als wir nachts "His Majesty's Fort Roughs" stürmten, war es gerade Weihnachten. Sie waren gerade dabei, den Roast Turkey anzuschneiden.
WELT ONLINE: Ihr Vater erklärte das Fort prompt zu einem eigenen Staat. Die Briten waren "not amused". Haben sie nicht versucht, Sie von Ihrem Vorhaben abzuhalten?
Bates: Sie wussten, dass sie nicht wirklich etwas gegen uns tun konnten. Im Volk hätte es einen Aufschrei gegeben. Wir waren so etwas wie moderne Variante der alten, britischen Seefahrer und damals schon fast Kultfiguren. Ein Angriff auf Sealand hätte einen Verstoß gegen das doch so hochgehaltene, britische Prinzip der Toleranz dargestellt.
WELT ONLINE: Woher wollen Sie das wissen?
Bates: Ich habe Dokumente einsehen können, aus denen hervorgeht, dass die damalige Regierung durchaus überlegt hatte, uns gewaltsam zu vertreiben. Auf die Gefahr hin, unnötiges Blut zu vergießen, hat sie es dann aber doch gelassen.
WELT ONLINE: Sie waren damals erst fünfzehn Jahr alt. War es nicht etwas merkwürdig als Teenager auf einer alten Seefestung zu leben?
Bates: Ich besuchte damals ein striktes, kaltes Internat im Norden von Wales. Das Leben auf der Meeresplattform war dagegen wahnsinnig aufregend. Als wir dort einzogen, hatten wir noch keine Generatoren. Alles musste mit Kerzen beleuchtet werden. Da mein Vater Hilfe brauchte, beschloss ich zu bleiben. Als erstes kümmerte ich mich um die Sicherheit der Festung, denn in den ersten Jahren wurden wir immer wieder von Piratensendern angegriffen, oft mit Benzinbomben. Ich legte die Plattform mit Sprengfallen aus. Zusätzlich hielten wir rund um die Uhr Wache. Wir mussten ständig auf der Hut sein. Die britischen Behörden hatten uns im Visier, auch wenn sie uns auf eine eher subtil-britische Art belästigten.
WELT ONLINE: Was hat die Regierung unternommen?
Bates: Ihre Sabotage sah so aus, dass sie nach einem Einkaufs-Landgang alle von uns gekauften Lebensmitteldosen öffneten, um diese zu „durchsuchen“. Einmal wollten zwei Spezialagenten an Bord. Der erste schaffte es aber nicht, die Strickleiter hochzusteigen.
WELT ONLINE: Nicht nur britische Agenten interessierten sich für Sealand. So tauchten etwa kurz vor der Übergabe Hong Kongs an China mehr als 4.000 Sealand-Pässe auf dem Schwarzmarkt auf.
Bates: Ich werde nie vergessen, wie auf dem Hausboot des Mörders von Gianni Versace ein Pass aus Sealand gefunden wurde.
WELT ONLINE: Dann gibt es ja auch noch die Geschichte von der spanischen Organisation, die Panzer und Kampfjets von Russland in den Sudan schaffen und mit Hilfe von Ausweispapieren aus Sealand ein europäisches Waffenembargo gegen den Sudan umgehen wollte.
Bates: Wir unterhalten zu solchen Leuten keine Verbindungen. In den ersten 30 Jahren hat meine Familie in etwa 300 Pässe an Freunde und Bekannte vergeben.
WELT ONLINE: Im Jahr 1978 hatten Sie Ihren eigenen deutsch-britischen Minikrieg. Erzählen Sie doch etwas über den deutschen Staatsstreich.
Bates: Meine Eltern wurden von einem deutschen Geschäftsmann mit einem vielversprechenden Geschäftsangebot nach Wien gelockt. Während ihrer Abwesenheit schafften es seine Leute an Bord von Sealand zu gelangen. Sie nahmen mich fest und wollten mich eigentlich über Bord werfen. Schließlich setzten sie mich aber ohne Papiere in Holland aus. Zusammen mit meinen Eltern plante ich von Südengland aus die Rückeroberung der Seefestung. Ein Bekannter, der damals in den James-Bond-Filmen immer die Hubschrauber flog, half uns. Für ihn war die Aktion der erste Einsatz, bei dem richtige Munition verwendet wurde.
WELT ONLINE: Sie nahmen bei dem Einsatz sogar Kriegsgefangene. Berichten Sie bitte davon.
Bates: Ironischerweise wurden wir durch diese Aktion erstmals international als Staat anerkannt, zumindest für eine Zeit. Da wir für die britische Regierung offiziell nicht existierten, musste die deutsche Regierung direkt mit uns um die Freilassung des Gefangenen verhandeln.
WELT ONLINE: Als Gesetzesgrundlage gilt auf Sealand das britische „commonlaw“. Ansonsten haben Sie eigene Pässe, Briefmarken, Münzen. Ist es möglich, mit einem Pass aus Sealand durch die Welt zu reisen?
Bates: Ich bin mit meinem diplomatischen Pass durch ganz Europa gereist. Manchmal musste ein Grenzoffizier Sealand in seinem Büchlein nachschlagen, aber in der Regel wurde ich durchgewunken. Allerdings nur bis zum 11. September. Seitdem sind die Kontrollen sehr viel strenger geworden.
WELT ONLINE: Scheiterte deswegen auch Ihr Versuch, mit der von Ihnen gegründeten Firma HavenCo Ltd. aus Sealand mit einer großen Anzahl von Servern ein internationales Zentrum zur Datensicherung zu schaffen? Sie hatten in einem Interview nach den Anschlägen vom 11. September gesagt, dass Sie gegebenenfalls Daten und Server, die sich auf Sealand befinden, an die Behörden übergeben würden. Danach sind viele Ihrer Kunden abgesprungen.
Bates: Wir würden nie etwas tun, das gegen internationales Gesetz verstoßen würde. Auch wenn wir in der Vergangenheit einiges gemacht haben, das mit dem Gesetz bestimmter Länder vielleicht nicht vereinbar war. So hatten wir auf unseren Servern auch Daten der tibetanischen Exilregierung. Noch immer bekomme ich dubiose Geschäftsangebote von libyschen „Geschäftsmännern“ oder von Pädophilen, die das Seefort nutzen wollte. Selbstverständlich kommen Terrorismus oder Pornografie für Sealand nicht in Frage.
WELT ONLINE: Laut einer spanischen Immobilienfirma wollten Sealand doch für 350 Millionen Pfund verkaufen?
Bates: Bisher gab es noch keinen Interessenten, an den ich verkaufen würde. Wir wollen nicht, dass Sealand in die falschen Hände gelangt. Irgendwie fühle ich mich dafür verantwortlich.
WELT ONLINE: Gerade für von Zweitimmobilien besessene Briten müsste Sealand doch ein attraktives Angebot sein. Was wären da Ihre Hauptverkaufsargumente?
Bates: Sealand hat sehr ruhige Nachbarn! In jedem Turm gibt es acht Schlafzimmer und jedes Zimmer hat Meerblick.“
Soweit das Interview in Welt-Online. Bislang scheint das Fürstentum noch nicht verkauft zu sein. Wenn Sie also ganz viel Geld haben, können Sie Ihren Traum vom eigenen Königreich noch verwirklichen. Und Briefmarken eines eigenen Königreichs sind doch etwas ganz anderes als personalisierte aus Österreich.

Oswald Janssen